Steuer (Begriffsbestimmung)

Das Wort „Steuer“ kommt aus dem Althochdeutschen stiura, was Stütze bedeutet
und im Sinne von Unterstützung, Hilfe oder auch Beihilfe verwendet wurde.
Aus den ursprünglich als Naturalabgaben in Form von Sach- oder Dienstleistungen
(Frondiensten) erhobenen Steuern sind heute reine Geldleistungen geworden.

Steuern sind die Haupteinnahmequelle eines modernen Staates und das wichtigste
Instrument zur Finanzierung seines territorial abgegrenzten Staatswesens und
anderer (supranationaler) Aufgaben. Durch die finanziellen Auswirkungen auf alle
Bürger und die komplexe Steuergesetzgebung sind Steuern und andere Abgaben
ein andauernder politischer und gesellschaftlicher Streitpunkt.

Gemäß der Abgabenordnung sind Steuern Geldleistungen, die kein Entgelt für eine
besondere Leistung darstellen und von einem öffentlich-rechtlichen Gemeinwesen
zur Erzielung von Einnahmen erhoben werden.

Steuerzweck

Wichtigstes Ziel der Erhebung von Steuern ist die Erzeugung von Einnahmen, die
zur Deckung des Staatshaushalts genutzt werden. Die über Steuern gewonnenen
Einnahmen werden zu Finanzierung staatliche Aufgaben herangezogen, wie beispielsweise:

- Entlohnung der Beschäftigten im öffentlichen Dienst
- Finanziellen Ausgleich sozialer Unterschiede
- Finanzielle Unterstützung von Forschung, Bildung und Lehre
- Schaffung, Verbesserung und Aufrechterhaltung der Infrastruktur

Neben der Deckung des Staatshaushalts werden Steuern auch zur Lenkung von
Verhaltensweisen oder zur Umverteilung unter dem Aspekt der sozialen Gerech-
tigkeit erhoben. So sollen Lenkungsteuern gesellschaftlich nicht erwünschte
Verhaltensweisen beeinflussen. z.B. wird mit einer hohen Tabaksteuer versucht,
das Rauchen einzudämmen, die Alkopop-Steuer soll den Missbrauch durch
Jugendliche verhindern. Andererseits kann mit Steuervergünstigungen auch ein
gesellschaftspolitisch gewolltes Verhalten gefördert werden.

Der Solidaritätszuschlag ist ein typisches Beispiel für eine Steuer mit
Umverteilungszweck. Ziel ist finanzielle Förderung der fünf neuen Länder und
damit eine regionale Umverteilung von West nach Ost. Auch die Steuerprogression
bei der Einkommensteuer ist in diesem Sinne eine Umverteilung, da Personen
mit hohem Einkommen prozentual mehr Steuern zahlen als Einkommenschwache,
die dadurch finanziell entlastet werden.

Steuerarten

Die Bemessungsgrundlagen für die Erhebung von Steuern sind bezogen auf die
Teilnahme an Rechts- und Wirtschaftsverkehr (d.h. Leistungsaustausch auf
der Grundlage zivilrechtlicher Rechtsgeschäfte wie z.B. Erwerb von Grundbesitz,
Abschluss von Versicherungen), auf Konsum (den Verbrauch von Gütern),
Einkommen (Vermögenszuwachs), und auf Vermögen (Kapital).

Dementsprechend werden Steuern unterschieden nach:

- Verkehrsteuern, die auf die Teilnahme am Rechts- und Wirtschaftsverkehr
   erhoben werden (z.B. Umsatzsteuer, Grunderwerbsteuer, Versicherungsteuer)

- Verbrauchsteuern, die auf den Verbrauch bestimmter Güter erhoben werden
   (z. B. Mineralölsteuer, Stromsteuer, Kaffeesteuer)

- Besitzsteuern, das sind zum einen Ertragsteuern, die auf einen Vermögenszuwachs
   erhoben werden (z.B. Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer),
   zum anderen Substanzsteuern, die auf den Besitz von Vermögensgegenständen
   erhoben werden (z.B. Grundsteuer, Vermögensteuer)

Die Steuern fließen, je nach Art, dem Bund, den Ländern oder den Gemeinden zu.
Dementsprechend obliegt die Verwaltung den entsprechenden Behörden.
Die Bundessteuern (z.B. Branntwein-, Kaffee-, Mineralöl- und Tabaksteuer) sowie
die Zölle werden von den Hauptzollämtern erhoben. Der Ertrag dieser Steuern steht
ausschließlich dem Bund zu. Die Gemeinschaftsteuern (Einkommensteuer, Körper-
schaftsteuer, Umsatzsteuer) werden im Bundesauftrag von den Finanzämtern verwaltet.
Sie fließen Bund und Ländern gemeinsam zu. Die reinen Ländersteuern (z.B. Erb-
schaftsteuer, Grunderwerbsteuer) werden auch von den Ländern verwaltet.
Die Grundlagen für die Festsetzung der Gemeindesteuern (Gewerbesteuer und
Grundsteuer) werden durch die Finanzämter festgelegt, während die Kommunen
unter Anwendung des Hebesatzes ihre Steuer festsetzen und erheben.

Abgabenordnung

Die Abgabenordnung enthält allgemeine Vorschriften zum Steuer- und Abgabenrecht.

Während die einzelnen Steuergesetze (z.B. das Einkommensteuergesetz) die
konkreten Bestimmungen zur Berechnung von Steuern bzw. Abgaben regeln,
enthält die Abgabenordnung grundsätzliche Regelungen. Diese reichen von
steuerlichen Begriffsbestimmungen, der Ermittlung der Besteuerungsgrundlagen
über die Festsetzung und Erhebung der Steuern bis hin zur Vollstreckung.


Formel zur Berechnung der Einkommensteuer

Einkommensteuergesetz
Geltung ab 1981-12-30. Neugefasst durch Bek. v. 19.10.2002 I 4210;
2003 I 179, zuletzt geändert durch Art. 45a G v. 26.3.2007 I 378
§ 32a EStG, Einkommensteuertarif

(1)

1. Die tarifliche Einkommensteuer bemisst sich nach dem zu versteuernden
    Einkommen.
2. Sie beträgt vorbehaltlich der §§ 32b, 34, 34b und 34c jeweils in Euro für zu
    versteuernde Einkommen bis 7.664 Euro (Grundfreibetrag):

0;
von 7.665 Euro bis 12.739 Euro:
(883,74 x y + 1.500) x y;
von 12.740 Euro bis 52.151 Euro:
(228,74 x z + 2.397) x z + 989;
von 52.152 Euro bis 250.000 Euro:
0,42 x x - 7.914;
von 250.001 Euro an:
0,45 x x - 15.414.

"y" ist ein Zehntausendstel des 7.664 Euro übersteigenden Teils des auf einen
vollen Euro-Betrag abgerundeten zu versteuernden Einkommens.
3 "z" ist ein Zehntausendstel des 12 739 Euro übersteigenden Teils des auf einen
vollen Euro-Betrag abgerundeten zu versteuernden Einkommens.
4 "x" ist das auf einen vollen Euro-Betrag abgerundete zu versteuernde Einkommen.
5 Der sich ergebende Steuerbetrag ist auf den nächsten vollen Euro-Betrag abzurunden.

(2) bis (4) (weggefallen)

(5)

Bei Ehegatten, die nach den §§ 26, 26b zusammen zur Einkommensteuer veranlagt
werden, beträgt die tarifliche Einkommensteuer vorbehaltlich der §§ 32b, 34, 34b und
34c das Zweifache des Steuerbetrags, der sich für die Hälfte ihres gemeinsam zu
versteuernden Einkommens nach Absatz 1 ergibt (Splitting-Verfahren).

(6)

1 Das Verfahren nach Absatz 5 ist auch anzuwenden zur Berechnung der tariflichen
Einkommensteuer für das zu versteuernde Einkommen bei einem verwitweten
Steuerpflichtigen für den Veranlagungszeitraum, der dem Kalenderjahr folgt,
in dem der Ehegatte verstorben ist, wenn der Steuerpflichtige und sein verstorbener
Ehegatte im Zeitpunkt seines Todes die Voraussetzungen des § 26 Abs. 1 Satz 1
erfüllt haben, bei einem Steuerpflichtigen, dessen Ehe in dem Kalenderjahr, in dem
er sein Einkommen bezogen hat, aufgelöst worden ist, wenn in diesem Kalenderjahr
der Steuerpflichtige und sein bisheriger Ehegatte die Voraussetzungen
des § 26 Abs. 1 Satz 1 erfüllt haben,
der bisherige Ehegatte wieder geheiratet hat und
der bisherige Ehegatte und dessen neuer Ehegatte ebenfalls die
Voraussetzungen des § 26 Abs. 1 Satz 1 erfüllen.

2 Dies gilt nicht, wenn eine Ehe durch Tod aufgelöst worden ist und die Ehegatten
der neuen Ehe die besondere Veranlagung nach § 26c wählen.

2 Voraussetzung für die Anwendung des Satzes 1 ist, dass der Steuerpflichtige nicht
nach den §§ 26, 26a getrennt zur Einkommensteuer veranlagt wird.